Die Digitalisierung hält Einzug in Schulen

Warum lernt ein Schüler besser bei der Mathelehrerin als bei dem Physiklehrer? Macht eine Schülerin bei ihren Matheaufgaben nur Flüchtigkeitsfehler oder versteht sie die Logik hinter den Rechenaufgaben nicht? Und hat die Pandemie und Homeschooling tatsächlich die Lernleistungen beeinflusst? All diese Fragen könnten durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Schulen beantwortet werden.

KI unterstützt im Klassenzimmer

Einige Schulen testen bereits KI-gestützte Tools und Lernplattformen. So setzen beispielsweise aktuell um die 30 Lehrkräfte von Gymnasien auf Learning Analytics: „Feedbock“ ist ein Tool, welches Grammatikfehler korrigiert und die passende Erklärung anzeigt. Auch bei falsch beantworteten Fragen zu Inhalten von Texten und Audioinhalten greift das Programm ein und wiederholt den entsprechenden Abschnitt. Ein Programm der TU München kann durch das Erfassen individueller Lernprozesse erkennen, ob ein/e Schüler:in Flüchtigkeitsfehler beim Rechnen macht oder zentrale Rechenprozesse nicht verstanden hat. Auch das Leibnizinstitut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik forscht aktuell an einem Tool, welches beim Schreiben von englischen Aufsätzen unterstützen soll. Dabei werden nicht nur Fehler in der Argumentation erkannt, sondern auch Gegenargumente aufgeworfen, sodass die Schüler:innen ihre Behauptungen im Text prüfen und verbessern können.

KI kann so die Schüler:innen beim Lernen unterstützen und sammelt gleichzeitig Daten über den individuellen Lernfortschritt. Diese Daten können einerseits hilfreich dabei sein, Abweichungen einzelner Jahrgänge oder Klassen (wie sie beispielsweise durch die Corona-Pandemie auftraten) besser zu verstehen aber andererseits auch die Lehrkräfte unterstützen. Diese können durch KI besser den individuellen Lernstand einschätzen und gegebenenfalls Inhalte wiederholen, aber auch ihre eigene Lehre hinterfragen und verbessern. Letzteres ist das Ziel des Anbieters für Online-Nachhilfe „GoStudent“. Dieser zeichnet mithilfe einer Software zur Emotionserkennung die Emotionen des Lehrers/der Lehrerin und der Schüler:innen auf. So sollen Erkenntnisse über den Erfolg der Lehrmethoden gewonnen und Unterschiede zwischen Lehrmethoden verschiedener Lehrkräfte besser verstanden werden.

Bremst Skepsis den Fortschritt?

Bisher sind dies jedoch einzelne Pilotprojekte. Der massentaugliche Einsatz von KI im Unterricht scheitert oftmals auch an der Skepsis der Beteiligten. Die Aufzeichnung, wie sie bei „GoStudent“ der Fall ist, sei beispielsweise ein Problem für Schüler:innen, da so die Ruhephasen fehlen und sie somit stetig unter Beobachtung stehen – so die Medienforscherin Felicitas Macgilchrist. Zudem sind viele Programme noch in der Entwicklung und Testphase und flächendeckende Lernstandserhebungen mithilfe von KI, wie sie beispielsweise in England bereits eingesetzt werden, fehlen in Deutschland. bislang. Bis KI in den Klassenzimmern zur Normalität wird, wird es somit noch einige Zeit dauern.