Stadt, Land, Alter: Ein digitaler Spalt in der Bundesrepublik


Spätestens seit Boris Becker 1999 im TV-Werbespot für AOL den berühmten Satz „Ich bin drin!“ sagte, gehört das Internet zu Deutschland. Seitdem ist die Anzahl privater Internetanschlüsse stetig gewachsen. Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes verfügen 87,9 Prozent der Haushalte in Deutschland über einen Internetanschluss und 86 Prozent der Deutschen nutzen das Internet täglich. Klingt nach einer Erfolgsstory.

Die Untersuchung des Statistischen Bundesamtes zeigte aber auch, dass dieser Anteil bei den über 65-Jährigen mit 69 Prozent deutlich niedriger ausfällt als im Durchschnitt. Wahr ist außerdem, dass beim Netzausbau in der Bundesrepublik noch viel Luft nach oben ist. Drei von vier Bundesbürgern (77,3%) beurteilen die digitale Infrastruktur in Deutschland als schlecht.

Wie steht es also um die Internetnutzung in Deutschland? Wir haben die Deutschen dazu befragt und herausgefunden: Es gibt nicht nur Unterschiede in der Einschätzung der eigenen Fähigkeiten im Umgang mit dem Netz, sondern auch in der generellen Verfügbarkeit.

Die Nutzungskompetenz sinkt mit steigendem Alter


Fragt man die Deutschen danach, wie sie ihre eigenen Fähigkeiten im Umgang mit dem Internet bewerten würden, variieren die Antworten sehr stark. Der Durchschnitt gibt mehrheitlich (65,4%) an, gut mit dem Internet umgehen zu können. Vor allem das Alter scheint allerdings eine große Rolle dabei zu spielen, für wie fähig sich die Deutschen in der Internetnutzung halten. Bei den 18- bis 29-Jährigen geben 87,1 Prozent an, „große“ Fähigkeiten zu haben. Bei den Bundesbürgern über 65 sagt dies nur etwa die Hälfte (52,5%).

Vor allem in niedrig besiedelten Regionen mangelt es an Infrastruktur


Aber nicht nur das Alter ist ein Faktor für digitale Zugangsbarrieren in der Bundesrepublik. Deutschland gehört nicht unbedingt zu den Vorreitern der Digitalisierung und des Netzwerkausbaus, von Glasfaserkabel ganz zu schweigen. Keine Überraschung also, dass gut ein Drittel der Deutschen (34,6%) angibt, „häufig“ zuhause Probleme mit der Geschwindigkeit des Internets zu haben. Es gibt Regionen, in denen ist Internetempfang eine noch langsamere Angelegenheit. In sehr niedrig besiedelten Gebieten betrifft das Problem sogar 42,2 Prozent der Bundesbürger.

Viele Deutsche würden mehr zahlen für einen Glasfaseranschluss


Es ist demnach nicht überraschend, dass der Ausbau des Glasfasernetzes für schnelles Internet der überwiegenden Mehrheit der Deutschen (82,2%) wichtig ist. Gut jeder Dritte (35,0%) wäre sogar bereit, einen Kostenbeitrag für den Anschluss ans Glasfasernetz zu zahlen, in ländlichen Regionen sind es sogar 43,4 Prozent.

Zusammenfassung


Die Umfragen zeigen, dass nicht jeder Bundesbürger die gleichen Voraussetzungen für die Nutzung des Internets hat. Neben altersbedingten Unterschieden in der digitalen Kompetenz spielt vor allem die Bevölkerungsdichte eine entscheidende Rolle beim Zugang zum Internet. In ländlichen Regionen ist die Netzabdeckung und -Geschwindigkeit deutlich schlechter als in urbanen Räumen. Ein klares Zeichen dafür, dass im bundesweiten Netzausbau dringender Handlungsbedarf seitens der Politik besteht.